Bereits 3500 Exemplare unseres Comics “Widerstand. Drei Generationen antikolonialer Protest” haben wir seit 2019 an Schüler*innen, Lehrer*innen, politische Bildner*innen und viele weitere interessierte Menschen verteilt. Nun gibt es das Buch  druckfrisch in der 5. Auflage – in neuem Design und mit einem wunderschönen Statement von Sharon Dodua Otoo auf dem Buchrücken. Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin, Publizistin und politische Aktivistin und hat uns über die Jahre immer wieder in unserer Arbeit bestärkt.

Für eine zeitgemäße dekoloniale politische Bildungsarbeit ist diese Publikation schlicht unerlässlich. Die Kombination aus Comics, Quellenbesprechungen und Interviews machen dieses Buch für alle Altersgruppen zugänglich. Besonders erwähnenswert sind die beeindruckenden Illustrationen, die nicht nur einen Ausdruck für die Gewalt und den Terror des Kolonialismus finden, sondern verloren gedachte Widerstands-Geschichten wieder nahbar machen. Die Publikation zeigt eindrücklich: Die Gestaltung des öffentlichen Raums muss mit der Gestaltung des öffentlichen Bewusstseins anfangen. Den Autor*innen ist es gelungen, dem seit dem 19. Jahrhundert andauernden Widerstand in Kamerun ein würdiges Denkmal zu setzen.

Sharon Dodua Otoo, 2024

Wir danken Sharon und allen anderen Menschen, die unsere Arbeit in den letzten Jahren unterstützt haben und freuen uns, wenn ihr unseren Comic für Bildungsveranstaltungen nutzt, verschenkt und weiter empfehlt. Hier könnt ihr den Comic bestellen:

Und zuletzt noch eine kleine Bilderreise durch unsere Comic-Cover seit 2019. Insgesamt haben wir 5 Bücher im Selbstverlag veröffentlicht und eine bilinguale Version (deutsch/französisch) bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Unsere allererste Version 2019 (A5 Format, blaues Cover) war inhaltlich noch deutlich kürzer und ohne die Begleitinterviews zu den jeweiligen Geschichten. Ab der 2. Auflage 2021 (grünes Cover) war das Buch umfassender, mit Begleitinterviews und einem ausführlicheren Quellen & Fakten Teil. In den weiteren Auflagen haben wir inhatlich nichts mehr wesentliches verändert, sondern das Buch nur farblich neu gestaltet (lila Cover). Mit der neuen 5. Auflage 2024 hatten wir, neben dem neuen Design und dem Statement von Sharon Dodua Otoo, erstamls die finanziellen Mittel einen ökologischen und nachhaltigen Druck auf Naturpapier zu realisieren.

Von März bis Ende Mai 2024 steht unsere Wanderausstellung “Zwischen Petition und Rebellion” im Stadtlabor Göttingen – Wege zur kolonialkritischen Stadt. Das Stadtlabor Göttingen ist ein Kooperationsprojekt zwischen Wissenschaft, Kulturinstitutionen und zivilgesellschaftlichen Gruppen und bietet einen Raum, um verschiedene Perspektiven aus dem Globalen Süden, Osten und Norden zu versammeln, bereits bestehendes und entstehendes Wissen zu vernetzen und Gedenken zu gestalten.

Begleitend zu der Wanderausstellung organisierten wir vom 26.- 28. April 2024 eine Fortbildung für Multiplikator*innen aus der Region. An drei Tagen vermittelten wir unsere Workshop-Methoden sowie Hintergrundwissen zu antikolonialem Widerstand in Kamerun. Die Teilnehmer*innen waren sehr engagiert und haben die Fortbildung mit kreativen Ideen zu dem von uns entwickelten Konzept sowie durch ihre eigenen Erfahrungen in der Bildungsarbeit bereichert.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für den Austausch und ihre großartige Präsenz während der Fortbildung. Wir hoffen sehr, dass ihr bald die Möglichkeit habt das Workshopkonzept auszuprobieren oder bei einem Workshop bei uns in Berlin zu hospitieren.

Ermöglicht wurde die Fortbildung durch eine Kooperation zwischen dem  Stadtlabor und der DGB-Jugend in Göttingen.

 

Viel zu früh ist die Grafikdesignerin Golnar Mehboubi Nejati im Januar 2024, nach einer langjährigen Krebserkrankung, verstorben. Golnar arbeitete seit 2009 als Grafikerin. Mit ihrer Kollegin Marion Reis gründete sie 2020 die Grafikagentur vizibil und begleitete viele Vereine und gemeinnützige Organisationen bei der Umsetzung ihrer Projekte. Für unsere Wanderausstellung “Zwischen Rebellion und Petition” erarbeiteten Golnar und Marion 2020 das visuelle Konzept. Wir waren  absolute Anfänger*innen im Ausstellungsbereich, doch die beiden hatten sehr viel Geduld und gaben sich große Mühe auch die noch so absurdeste Idee von uns umzusetzen.

Neben der Wanderausstellung erarbeiteten Golnar und Marion auch die Grafik für unseren Comic “Widerstand. Drei Generationen antikolonialer Protest in Kamerun”, sowohl für die Eigenpublikation als auch für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Die Zusammenarbeit war stets von viel Empathie, Spontanität und Gelassenheit gekennzeichnet.

Wir sind dankbar, dass wir mit Golnar zusammenarbeiten durften und unsere Projekte von ihren Ideen und Kreativität geprägt sind.  Ihren Freund*innen und ihrer Familie möchten wir unser herzliches Beileid ausdrücken.

Im August 2019 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die Entwicklung eines gesamtstädtischen Aufarbeitungs- sowie Erinnerungskonzeptes zu Geschichte und Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins.

Das Erinnerungskonzept Kolonialismus für die Stadt Berlin wurde in einem zweijährigen Prozess von Dr. Ibou Coulibaly Diop in Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen Dekoloniale, Decolonize Berlin, ADEFRA, Korea Verband, korientation und dem Afrika-Rat erarbeitet. Bei der Veranstaltung “Kolonialismus erinnern” im Haus der Kulturen der Welt, wurde das Konzept erstamals öffentlich präsentiert.

Die Redebeiträge zur Eröffnung der Veranstaltung von Kultursenator Joe Chialo und der Staatsministerin Claudia Roth wurden durch propalästinensische Aktivisten zunächst unterbrochen. Die Demonstrant*innen bezeichneten Claudia Roth und Joe Chialo als „Genozidleugner“ und einige gingen mit Palästinafahnen und Protestplakaten auf die Bühne. Die Moderatorin Miriam Camara vermittelte und sagte unter anderem: “Das ist ein Raum Schwarzer Menschen in Deutschland. Den haben wir uns erkämpft.”

Zentrale Forderungen des Konzepts an die Politik sind die Schaffung eines zentralen Lern- und Ge­denk­ortes Kolonialismus, der Ausbau der Forschung zur Kolonialgeschichte, die Umbenennung von Straßen und die Etablierung einer Stiftung zur Förderung der Erinnerungsarbeit.

Wir waren am ersten Tag der Veranstaltung mit einem Infostand über unsere Arbeit dabei und konnten mit vielen Akteur*innen der antikolonialen und antirassistischen Bildungsarbeit ins Gespräch kommen.

Immer wieder hören wir in unseren Fortbildungen für Lehrkräfte, wie schwierig es ist gute Unterrichtsmaterialien zu Thema Deutscher Kolonialismus zu finden.

Die wenigen Schulbücher, die sich dem Thema annehmen, sind häufig eurozentristisch, stellen die Geschichte aus der Perspektive der Kolonisator*innen da und gehen zu wenige auf koloniale Kontinuitäten ein.

Wir arbeiten derzeit an der Konzeption einer Lernplattform zu Deutschem Kolonialismus, die voraussichtlich 2026 online gehen wird.

Für die Konzeption möchten wir von euch wissen: Was machen für euch gute Bildungsmaterialien aus? Welche Themen sind an die Lehrpläne anschlussfähig? Und wie viel Zeit habt ihr, um das Thema mit euren Schüler*innen zu behandeln?

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns hierzu in unserem kurzen Online-Fragebogen antwortet. Entweder über diesen Link oder über den QR- Code unten.
Vielen lieben Dank!!!

Anfang November trafen sich Menschen aus ganz Deutschland in Berlin, um über Erfolge und Hindernisse von Dekolonisierungsprozessen in verschiedenen Orten der Bundesrepublik zu diskutieren und voneinander zu lernen. Wir waren an einem von drei Tagen vor Ort, stellten unsere Arbeit vor und kamen mit anderen Aktivist*innen ins Gespräch.

Auf dem Podium gab es verschiedene Diskussionsrunden zur Frage und neben einschlägigen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen äußerten sich auch Parteiabgeordnete zum Thema. Einig waren sich alle über die Tatsache, dass es nicht reicht reine Symbolpolitik zu betreiben und das Thema punktuell zu bearbeiten. NachhaltigeDekolonisierungsprozesse greifen tief in instutionelle Strukturen ein und müssen langfristig gedacht werden. Derzeit ist zu beobachten, dass viele Institutionen das Thema versuchen irgendwie aufzugreifen, um sagen zu können, dass sie sich damit beschäftigt haben.

Die Ausstellung “Zwischen Petition und Rebellion” stellt Geschichten des antikolonialen Widerstands in Kamerun vor. Drei Widerstandskämpfe stehen exemplarisch für verschiedene Generationen und soziale Gruppen, die sich gegen Kolonialismus und dessen Erbe wehr(t)en. Sie machen das Ausmaß rassistischer Kolonialpolitik Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens im Kamerun deutlich.

Termine für Berlin November/Dezember 2023

Vom 16.11 – 30.11 2023 in der Mittelpunktbibliothek, Schöneberg.

Vom 01.12. – 29.02.2024 im Global Village in Neukölln.

Hier einige Eindrücke vom Aufbau der Ausstellung aus der Mittelpunktbibliothek in Berlin-Schöneberg mit unserem neuen Kollegen, dem Freiwilligen Enock:

Wir haben unsere Projekte im Herbst bei zwei Veranstaltungen von Partnerorganisationen in Berlin vorgestellt. NARUD e.V. organisierte am 19. September den Internationalen Tag für Zivilcourage auf dem Leopoldplatz in Berlin-Wedding. Rund 15 Organisationen stellten ihre Arbeit vor. Bei einem Bühnenprogramm trat unter anderem der Berliner Rapper Matondo auf, der sozialkritischen und politischen Rap macht und dessen Lied “Spuren der Kolonialzeit” auch in unserer Ausstellung “Zwischen Petition und Rebellion” gezeigt wird. Die Veranstaltung fand zum sechsten Mal auf dem Leopoldplatz statt.  Im Gespräch mit Besucher*innen und anderen teilnehmenden Organisationen, konnten wir uns vernetzen und zu Anti-Rassimus, Zivilcourage und Demokratiebildung austauschen.

Am 08. Oktober waren wir auf Einladung der Organisation Source d’espoir e.V. mit einem Infostand auf einem Kulturfest in Heinersdorf in Pankow. Es war ein wunderschöner Nachmittag mit vielen Besucher*innen und tollem Bühnenprogramm. Der Verein Source d’espoir engagiert sich unter anderem zum Thema Muttersprachen und bietet Workshops an, in denen Kinder und Jugendliche ihre Muttersprachen erlernen können. So steht auf ihrer Homepage: “„Muttersprache ist Identität, ist Heimat. Ist der Bezug zu Familie und persönlichen Wurzeln…”

Bei beiden Veranstaltungen haben unsere Kultursommerfestival-Banner vom Event “Street Connection – La poèsie de l’Afrique” die Bühnen verschönert. Für unser Mini-Festival im August hatten wir zwei Meter lange Banner produziert auf denen Bilder und Zitate von afrikanische Musiklegenden zu Kolonialismus, Rassimus und antikolonialen Widerstand zu lesen sind. Während beim Event auf dem Leopoldplatz Angelique Kidjos Bild die Bühne zierte, waren in Pankow Fela Kuti und Miriam Makeba zu sehen.

 

Neue Termine im November und Dezember! Online-Fortbildung für Lehrkräfte zu den Themen Rassismus, Kolonialismus und antikolonialer Widerstand.

Plateau-des-Petites-Roches (Hochebene der kleinen Felsen) so hieß die Gemeinde irgendwo im nirgendwo, in der wir Ende Juli  unsere Projekte vorstellten. Auf Einladung des Kollektivs “Café TRUC” aus der Region, führten wir einen Workshop durch und präsentierten an einem Abend mit Konzert unseren bilingualen Comic, der bei der bpb veröffentlicht wurde.

Es war für uns sehr interessant unser Angebot auf den französischen Kontext konzeptionell anzupassen und mit  Teilnehmer*innen aus der Region, die hauptsächlich selbst im Bildungskontext arbeiteten, durchzuführen. Klar ist, dass die Debatten um Anti-Schwarzen Rassismus und die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit in diesem Teil Frankreichs noch nicht angekommen sind. Auch wenn die weißen Teilnehmer*innen mehrheitlich sehr interessiert und gesellschaftskritisch waren, war wenig Wissen und Selbstreflektion rund um die eigenen Privilegien und strukturellen Rassismus in der französischen Gesellschaft vorhanden.

Es war für uns eine bereichendere und neue Erfahrung, die wir in Zukunft gerne vertiefen wollen würden. In Frankreich haben Antirassistische Aktuer*innen insegsamt noch weniger Sichtbarkeit als in Deutschland. Die französische Varinate “Widerstand. Drei Generationen antikolonialer Protest in Kamerun” bietet einen Ausgangspunkt über den es sich lohnt weiter nachzudenken.

Ein großes Dankeschön geht an die bpb, die uns für diese Reise 25 Exemplare des Comics gespendet hat.