„[Kolonialismus ist] eine systematisierte Verneinung des anderen, eine verzweifelte Entscheidung, dem anderen jedes Attribut der Menschheit zu verweigern“ Frantz Fanon, „Die Verdammten dieser Erde“, veröffentlicht 1961. Es ist sein letztes Buch, wahrscheinlich sein populärstes Werk und fand zunächst aufgrund des Algerienkrieges eine besondere Resonanz.

Das Buch ist heute eines der wichtigsten Werke der postkolonialen Theorie. Die Mischung aus sozialpsychologischer Analyse und politischer Kampfschrift machte die Schrift in vielen Teilen der Welt extrem populär und wurde zu einem wichtigen Grundsatzwerk innerhalb antikolonialer Bewegungen.

Die wichtigsten Thesen Frantz Fanon
Für Frantz Fanon ist Gewalt der effektive Weg zur Bekämpfung der Kolonialmächte. Die koloniale Expansion europäischer Mächte nach Afrika hat nach Fanon nicht nur ökonomische und territoriale Auswirkungen. Mit der rassistischen Zivilisationsmission wurde den Kolonialisierten systematisch ihre Menschlichkeit abgesprochen.
In seiner Schrift analysiert Frantz Fanon die Strategien der Kolonialmächte. Er beschreibt zum Beispiel die Vorgehensweise „Teile und herrsche“ der Kolonialmächte, durch die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in den Kolonien gegeneinander ausgespielt wurden um eine breite Koalition verschiedener Ethnien zu verhindern. Für Fanon ist es genau diese Einheit, die für eine Revolution bzw. den Aufbau eines unabhängigen Staates gebraucht wird.

Frantz Fanon

Zentral in Fanons Werk ist zudem die Reflexion über die Auswirkungen von Gewalt auf Körper und Geist der Kolonisierten. Die Kolonialisierten erleiden nicht nur körperliche Schäden durch Zwangsarbeit, Gewalt und Folter, sondern auch psychologische Traumata, die durch Mechanismen der kulturellen und ethischen Assimilationsprozesse der Kolonialmächte und den dadurch resultierenden Identitätsverlusts verursacht werden. Denn mit der europäischen Expansion wurde nicht nur Land erobert, sondern systematisch Wertesysteme der ansässigen Bevölkerungen verdrängt und durch westliche Normen ersetzt. Das reicht von Sprache, über Bildung bis hin zu kulturellen Praktiken. Deshalb betont Frantz Fanon die Bedeutung der Kultur sowie die Auswirkungen der Gewalt, die von der Unterdrückung der lokalen Sprachen ausgeht.

Ein Klassiker der postkolonialen Theorie
Jean Paul Sartre schrieb damals das Vorwort für Frantz Fanons revolutionäres Buch. Die Forderung de gewalttätigen Widerstand verursachten bei seiner Veröffentlichung eine Zensur. Dieses Buch ist ein grundlegendes Element um die komplexen Prozesse des Kolonialismus zu verstehen. Durch sein Werk ermutigt Fanon die Kolonialisierten gegen den Unterdrücker zu protestieren. Er verwendet seine Expertise als Psychiater bei der Untersuchung der Folgen von Gewalt auf Körper und Geist. Durch diese Dekonstruktion des Kolonialismus und seiner Konsequenzen wurde er zum Sprecher antikolonialer Bewegungen im Globalen Süden.


Von Antoine Fèvre

 

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