Für Achille Mbembé müssen Entkolonialiserung und Kritik am Rassismus gemeinsam gedacht werden, denn dass was in Europa als „Rasse“ konstruiert wurde ist für ihn „die wilde Seite des europäischen Humanismus“.

In seinem 2010 publizierten Werk „Ausgang aus der langen Nacht. Versuch über ein enkolonialisiertes Afrika“ diskutiert Mbembé die Kontinuität kolonialer Strukturen und entwirft eine radikale Zukunftsvision für den afrikanischen Kontinent.

Eine Vision für Afrika

Nach Mbembé müsse Afrika sich von Europa abwenden, um seine wirkliche Unabhängigkeit zu erlangen. Dafür müsse ein starker panafrikansicher Zusammenschluss entstehen, innerhalb dessen afrikanische Länder mit einer gemeinsamen Stimme gegenüber dem Westen auftreten. Nur so könnte das imperalisitische Auftreten anderer Mächte in Afrika in seine Schranken gewiesen werden.

Scharfe Kritik übt der Autor an Frankreichs und die Doppelmoral der französischen Politik. So würde das Land seinen republikanischen Geist und seine humanitäten Werte hochhalten und hätte gleichzeitig nichts gegen den Aufsteig der extremen Rechten unternommen. Frankreich habe sich lange hinter seiner republikanischen Tradition versteckt und so bestehende rassistische Strukturen negiert. Von einem wirkichen Dekolonialisierungsprozess könne bis heute nicht gesprochen werden. A

Achille Mbembé

Dekolonisierung, so Mbembé, würde nicht nur durch einen Kampf gegen bestehende Strukturen und Institutionen erreicht. Es sei vor allem auch ein innerer, psychologischer Kampf. Um Dekolonisierungsprozesse anzustoßen, sei es erforderlich Gesellschaften von Grund auf zu demokraitsieren. So kritisiert Achille Mbembe das Verhalten afrikanischer politischer Eliten, die mit den gleichen Strategien der ehemaligen Kolonisatoren ihre Gesellschaften entmündigen würden.

Achille Mbembe entwicklet in seinem Werk das Konzept von Menschen als „Vorbeiziehenden“ und schreibt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Afrika potenzielle Vorbeiziehende wären. Doch genau in diesem Prozess sieht Mbembé Entwicklungspotenzial. Dem gegenüber stehe aber die Politik der „Grenzaufrüstung“, durch die immer mehr Bevölkerungsgruppen innerhalb und außerhalb Afrikas in ihrer Bewegunsgfreiheut eingeschränkt seien.

Ein reichhaltiger und komplexer Gedanke

Auch wenn Achille Mbembe zunächst pessimistisch erscheinen mag, entwickelt er mit dem Wunsch nach mehr Demokratie und der Schaffung einer afrikanischen Einheit eine positive Vision für die Zukunft Afrikas.

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